Zum Totensonntag
Viele unter Ihnen, liebe LeserInnen haben im alten Kirchenjahr von einen Menschen Abschied nehmen müssen, der Ihnen persönlich nahestand. Vielleicht kam der Tod plötzlich und unerwartet, vielleicht aber auch nach einem langen Leiden. Jeder Mensch stirbt seinen eigenen Tod. Was für den Tod gilt, gilt auch für die Trauer derjenigen. Jeder Mensch trauert anders und muss für sich einen Weg finden, mit seinem Kummer zurechtzukommen. Die Dichterin Mascha Kaleko hat die Last der Trauer einmal so beschrieben:
„Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang.
Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?“
Wir müssen mit dem Verlust, mit unserer Trauer leben. Müssen damit fertigwerden, dass ein Mensch, der uns viel bedeutet hat, fortgegangen ist und auch nicht mehr wiederkommt. Dass eine Lücke entstanden ist, die sich nicht mehr schließen kann und schließen wird. Was kann uns helfen, den Verlust zu ertragen? Was kann uns stärken, trösten und Mut machen? Vielleicht die Nähe von Verwandten oder Freunden, die uns in unserer Trauer nicht allein lassen. Vielleicht aber auch biblische Texte und das Vertrauen von Menschen, die Gott glaubten. Für Jesus kennzeichnend war, dass er keinen Menschen verloren gab. In seinen Augen war niemand ein hoffnungsloser Fall. Aus seinen Gleichnissen wird deutlich, Gott ist barmherzig und alle Geschichten gehen am Ende gut aus. Jesus war ein Freudenbote, der denen Auferstehung und ewiges Leben versprach, die an ihn glaubten. Der Künstler Michelangelo kam mit 86 Jahren in einem Gespräch mit einer Gräfin auf den Tod zu sprechen. Er sagte „Ich wünsche mir sehnlichst, bald von Gott heimgerufen zu werden.“ Die Gräfin reagierte erschrocken: „Sie sind doch nicht etwa lebensmüde?“ „Keineswegs“, lächelte Michelangelo. „Ich bin lebenshungrig“. Der Maler glaubte, dass der Tod nicht der Schlusspunkt ist, sondern eher ein Doppelpunkt, weil er eine neue und unbekannte Zukunft eröffnet. Ich wünsche uns das Vertrauen darauf, dass unsere Verstorbenen Heimat gefunden haben bei Gott.
Und ich wünsche uns, dass wir selbst einmal getrost sterben können in der Gewissheit, dass bei Gott nichts und niemand verloren geht. Denn er ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden.