Weihnachten und die Trauer
Als ich kürzlich einen geliebten Menschen verloren habe, wusste ich, nun gehöre auch ich zum Kreis der Trauernden. Es ist seitdem nicht mehr nur Theorie für mich, sondern ich weiß, wie sich Trauer anfühlt.
Seinerzeit hat alles gepasst: Es war November, die Tage wurden kürzer, waren grau, neblig und kalt. Es ging auf das Ende des Kirchenjahres zu. Totensonntag oder Ewigkeitssonntag, wie er auch viel hoffnungsfroher heißt, stand bevor. Doch die Zeit vergeht und die Trauer bleibt.
Nun ist vierter Advent - die Adventszeit ist schon fast vorüber und das Weihnachtsfest steht bevor. Harmonie, Liebe und Familie werden in diesen Tagen besonders zelebriert. Wohin dann bitte mit der Trauer? Wie passt die in die Weihnachtszeit hinein? Wie feiert man das Fest der Familie, wenn doch eine wichtige, geliebte Person fortan fehlt? Es ist schwer. Sicher fällt bei vielen Trauernden das klassische Schmücken der Wohnungen aus. Wofür einen Weihnachtsbaum? Auch diese Frage wird man sich stellen.
Manch eine(r) hat Glück im Unglück – da ist Gott sei Dank eine starke Familie vorhanden, oder es sind liebe Freunde, die eine(n) trotzdem mit der behaglichen Atmosphäre der Geborgenheit und Einfühlsamkeit versorgen. Dieses Glück habe auch ich. Gerade zu Weihnachten ist die Einfühlsamkeit, die menschliche Zuwendung so wichtig. Ich kann nur dafür werben: Liebe Angehörige, liebe Freunde, bitte haben Sie auch gerade in dieser Zeit ein offenes Ohr für das Leid und den Schmerz Ihrer trauernden Mitmenschen! Weihnachten wird nicht perfekt durch allen Glitzer und Kerzenschein, wenn man sich nicht auch in den Arm nehmen und trösten kann. Danke für alle, die das machen!
Aber auch der Glaube hilft mir. Zu Weihnachten feiern wir, dass Gott seinen Sohn Jesus Christus in die Welt gesandt hat. Er wurde geboren als kleines, hilfloses Baby inmitten von großer Armut und Not. Die Weihnachtsgeschichte erzählt davon und nimmt die menschliche Tragödie nicht aus. Und inmitten dieser Armut und Not ist der Menschheit das größte Glück dieser Welt geschehen: Der Retter wurde geboren. Jesus wuchs heran, lebte bei den Menschen, lehrte sie unter anderem einen guten Umgang miteinander und konnte viele ihrer Leiden heilen. Er machte die Welt nicht perfekt, steht aber für das große Versprechen von Gottes Reich, das eines Tages anbrechen wird, und das unsere lieben Verstorbenen nun schon sehen können: „…Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!“ Das schreibt der Seher Johannes in seiner Offenbarung (Offb 21,4-5). Dieses Versprechen gilt. Und das tröstet mich. Und es wird gewiss ein schönes Weihnachtsfest, wenn auch mit weniger Weihnachtsschmuck und Tränen. Ich wünsche allen Menschen einen gesegneten vierten Advent und frohe Weihnachten – auch und gerade denen, die trauern!