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Besinnungsworte zum 12. Juli: Klippenhänger

Zu jeder guten Serie gehört dieser Moment dazu: eine Person hängt in einer lebensbedrohlichen oder ungelösten Situation fest und die Auflösung findet erst in der nächsten Folge statt. Als Zuschauer:in hängt man buchstäblich in der Luft und ist gespannt, wie es wohl in der nächsten Folge weitergeht. Diese Erzähltechnik wird als Cliffhanger (deutsch: Klippenhänger) bezeichnet. 

In der Luft zu hängen löst viel innere Spannung aus. Man fragt sich, wie das noch gut enden soll, wie die Hauptfigur jetzt noch die Kurve kriegen wird. Das funktioniert so gut, weil wir alle diese Anspannung aus unserem eigenen Leben kennen. 

Das erleben wir in der Politik, wo Gesetze heiß diskutiert werden, es ein hin und her gibt und man sich fragt, wann endlich Klarheit herrscht. Das ist der Fall, wenn Arbeitsplätze abgebaut werden sollen und klar ist: Das werden lange Verhandlungen. Das kennen wir aus unserem eigenen Leben. Immer diese Frage: Wie wird es weitergehen? Und nie haben wir den gesamten Weg vor uns klar abgeschritten. Die eine Antwort bringt eine neue Frage hervor. 

Bei Patient:innen im Klinikum ist das ebenso. Viele wünschen sich, von vornherein genau zu wissen, was auf sie zukommt. Und dann dauert es, bis die Diagnose da ist. Und dann die Frage, ob die Therapie anschlägt. Welche Nebenwirkungen sie hat. Ob damit alles erledigt ist oder noch was zu tun ist. Und ob das Problem wieder auftreten wird. 

Es geht immer weiter. Ein Klippenhänger nach dem anderen. Eine Anspannung weicht, doch die nächste deutet sich schon an. 

"Fürchte Dich nicht!" Diese Worte finden sich über 365 mal in der Bibel. Er zieht sich wie ein roter Faden - in verschiedensten Situationen, wo Menschen in der Luft hängen -  durch die Bibel. Sie sind kein Befehl, sondern eine Zusage Gottes: "Ich kümmere mich um Dich." 

Das gilt nicht nur 365 Tage, sondern unser ganzes Leben. Gott kümmert sich um jeden Menschen. Ich bin in meiner Anspannung nicht alleine. 

In der Erzählung von der Entstehung der Welt wird berichtet, wie Gott den Menschen seinen Atem einhaucht. Ich stelle mir vor, dass Gott in mir atmet. Das beruhigt mich. Er schenkt mir langen Atem. 

Und so erwächst die Kraft, mich an der Klippe hochzuziehen, mich drauf zu setzen, durchzuatmen - zur Ruhe zu kommen und den Ausblick zu genießen. Mögen Sie sich dazusetzen?

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