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Andacht zum Sonntag Rogate

Liebe Leserin, lieber Leser, 

an diesem Wochenende wird in den Gottesdiensten das Gebet besonders in den Blick genommen. „Rogate“ („Bete“) wird dieser Sonntag überschrieben und nimmt ein Thema des Glaubenslebens in den Fokus, das mich besonders begeistert. 

In meiner Jugend erfuhr ich das erste Mal von christlichen Freunden, wie man beten kann. Ich war verblüfft, dann neugierig und ich dachte mir: „Was ist, wenn es doch stimmt? Was ist, wenn man doch einfach so frei raus mit diesem Gott reden kann?“. Also beschloss ich am selben Abend für eine 1 in Mathe und für gutes Wetter zu beten (letzteres hatte ich nicht in der eigenen Hand, dachte ich mir). Am nächsten Morgen war ich voller Erwartung. Doch dann das: ich bekam (völlig verdient) eine 4 in Mathe und es regnete aus allen Wolken!

Also ist doch das Gebet sinnlos und die Worte kommen nur bis zur Zimmerdecke und der Tapete an der Wand? 

Mich hat dieses Erlebnis am Anfang auf meiner Glaubensreise in ein tieferes Fragen und mich zu einer Antwort geführt: Gebet ist für mich mehr als ein Äußern von Wünschen und Abwarten, ob es erfüllt wird oder nicht. Es ist für mich in erster Linie ein „Sein“ vor Gott. Das was mir auf dem Herzen liegt und durch den Kopf geht, darf ich in Dank, Freude, Trauer und Zweifeln Gott offen und frei raus sagen. Ich darf sicher sein, dass ich in jeder Lebenssituation von ihm gesehen bin und mit ihm reden kann, wie man mit einem guten Freund redet. Das hat mein Gebets- und Glaubensleben unbeschwerter und freier gemacht: Ich darf mit Gott reden, so wie es mir gerade geht und ganz ehrlich bei ihm sein. Ich darf darauf vertrauen, dass er mein Herz und meine Gedanken sieht und er mit Freude auf uns schaut. Ich wünsche Ihnen, dass Sie das auch für sich erleben dürfen und das offene Gespräch mit Gott, wie ich in jungen Jahren, neu ausprobieren und bei Gott aufatmen können.

Ich wünsche Ihnen dabei viel Freude, Gottes Segen und seinen Frieden.

Ihr Pfarrer Max Grundke

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