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Andacht zum Sonntag Jubilate

„Seltsam, zu Hause erlebe ich meine Frau ganz anders“ sagt der Mann zu seinem Freund. Der hatte sich darüber beklagt, dass sie als Fitnesstrainerin der „Horror“ sei. „Keine Gnade beim Bodypump mit Gewichten oder bei den Liegestützen zur Erwärmung.“

Menschen können sehr unterschiedlich erscheinen, je nachdem, in welchem Umfeld sie sich gerade bewegen. Die taffe Fitnesstrainerin kann zu Hause warmherzig und sensibel sein.

Mir scheint, wer wir sind, hängt in hohem Maße davon ab, in welcher Wirklichkeit wir leben. Der Entertainer auf der Bühne kann zu Hause in den 4 eigenen Wänden ein wortkarger in sich gekehrter Mensch sein.

Die Professorin, die tagsüber im Hörsaal den Studierenden detailliert Sachverhalte beschreibt, hört am Nachmittag und Abend aufmerksam und interessiert den eigenen Kindern zu und lernt mit ihnen.

Die unterschiedlichen Rollen, in denen wir uns bewegen, die verschiedenen Kontakte, in denen wir kommunizieren, die gegenseitigen Einflüsse und Konflikte, mit denen wir zu tun haben: All das bestimmt wesentlich darüber, wie wir sind.

Wer wir sind, hat damit zu tun, „worin“ wir uns bewegen: in der Familie oder im Beruf oder in der Freizeit, in der Partnerschaft oder im Freundeskreis.

„In Christus“ sind alle, die in seinem Namen getauft sind, sagt der Apostel Paulus (2. Korinther 5,17): „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“

Durch Tod und Auferstehung hat Christus eine neue Wirklichkeit eröffnet, in der ganz anderes Leben möglich ist.

Der Unterschied zur alten Wirklichkeit ist so groß, dass Paulus sagen kann, sie oder er ist er eine neue Kreatur.

Wenn auch äußerlich oder genetisch nicht verändert, ist doch die bestimmende Wirklichkeit so anders, dass sie oder er wie neu geschaffen ist.

Paulus selbst ist so ein Beispiel für Verwandlung. Aus einem fanatischen Christenfeind, der Tod und Vernichtung im Sinne hatte wird ein freier Mensch in Christus, der Folter und Gefängnis am eigenen Leib erträgt, um die Botschaft von der in Jesus Christus gestaltgewordenen Liebe Gottes weiterzusagen.

Beim Nachdenken wo und wann ich wesentliche Verwandlungen erlebt habe fällt mir die Frau ein, die mit bunter Brille nach der Zeit für Familie und Kinder anfängt, sich bei den Omas gegen rechts zu engagieren.

Hätte man früher drei „K“ für Kinder, Küche, Kirche über ihr Leben schreiben können, so war sie mit Ihrem Engagement nun in einer vorher nicht zu erahnenden Weise in der Öffentlichkeit präsent und zwar alles andere als altbacken und konservativ.

Oder ich denke an den Mann, der als ehemaliger Abteilungschef in Nadelstreifenanzug mit Beginn seiner Rentenzeit 2 mal in der Woche bei der Tafel Essen ausgibt, völlig unauffällig in der Gruppe Engagierter.

Im Gesangbuch heißt das: „Denn in der neuen Kreatur ist keiner klein noch größer; wir haben einen Christus nur, den einigen Erlöser.“ (EG 253,2)

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