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Andacht zum Pfingstsonntag: Vom plötzlichen Geistesblitz – und dem Ende der Ratlosigkeit

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Aaron Laßmann-Rogge
Aaron Laßmann-Rogge

Hatten Sie schon einmal einen Moment, in dem Ihnen plötzlich wie aus dem Nichts ein Licht aufging? Ein Geistesblitz, der eine quälende Frage mit einem Schlag beantwortete oder Ihrem Leben eine völlig neue Richtung gab?

Es gibt eine berühmte Geschichte über den großen Physiker Albert Einstein. Er grübelte jahrelang über die Natur von Raum und Zeit, rechnete sich die Finger wund, kam aber einfach nicht weiter. Eines Abends im Frühjahr 1905 saß er völlig erschöpft mit seinem Freund Michele Besso zusammen. Sie redeten, wälzten Probleme, gingen ergebnislos schlafen. Doch als Einstein am nächsten Morgen aufwachte, passierte es. Später beschrieb er es so, als hätte sich im Kopf plötzlich ein Knoten gelöst. Die Relativitätstheorie war geboren – nicht durch mühsames Herbeizwingen am Schreibtisch, sondern als ein plötzlicher, unerwarteter Blitz von außen.

Solche Momente sind unverfügbar. Wir können sie nicht herbei rechnen, nicht googeln und nicht kaufen. Sie passieren uns einfach. Ein gutes Gespräch auf der Straße, eine plötzliche Eingebung beim Spaziergang – und auf einmal ist der Kopf frei und der weitere Weg klar erkennbar.

Genau darum geht es an Pfingsten. Oft wird dieser Tag als der „Geburtstag der Kirche“ bezeichnet, aber eigentlich feiert Pfingsten viel mehr die Geburtsstunde einer revolutionären Begeisterung. 

Die Ur-Geschichte erzählt von einer ziemlich deprimierten Truppe. Die Freunde Jesu saßen nach dessen Tod verängstigt und ideenlos hinter verschlossenen Türen. Sie wussten nicht, wie es weitergehen soll. Die Luft war sprichwörtlich raus. 

Und dann geschieht das, was die Bibel wie einen Sturm und wie ein inneres Feuer beschreibt: Ein kollektiver Geistesblitz. Plötzlich hielt es diese Leute nicht mehr auf ihren Stühlen. Eine unerwartete Energie erfasste sie, vertrieb die Angst und schenkte ihnen die passenden Worte. Sie rannten vor die Tür, redeten mit wildfremden Menschen und steckten auch sie mit einer unbändigen Lebensfreude an. Aus einer verängstigten Gruppe wurde eine Bewegung.

Man muss nicht gläubig sein, um zu spüren, wie bitter nötig wir solche „Pfingstmomente“ auch heute haben. Wir leben in einer Zeit, in der wir versuchen, alles durchzuplanen, abzusichern und zu kontrollieren. Doch die wirklich großen, verändernden Dinge im Leben – die Liebe, die rettende Idee, der plötzliche Mut – kommen selten aus dem Terminkalender.

Wenn Pfingsten die Erzählung eines solchen belebenden Geistesblitzes ist, der uns aus unseren Krisen holt, dann brauchen wir alle dieses Jahr ein bisschen mehr Pfingsten.

Das Fest lädt uns ein, wieder offen für das Ungeplante zu werden. Mal den Kopf zu lüften und darauf zu vertrauen, dass die besten Gedanken uns oft dann besuchen, wenn wir mal kurz loslassen. Vielleicht kommt dann der eine oder andere persönliche Geistesblitz, der Ihren Alltag durcheinanderwirbelt.

Frohe Pfingsten wünscht Pfarrer Aaron Laßmann-Rogge

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