Andacht zum 7. Juni: Der Platz an der Sonne
„Freund – Feind – Parteifreund“, so heißt eine alte Weisheit, genährt aus vielfacher Erfahrung. Rau geht es zu in der Politik; und oft genug wird in den eigenen Reihen einer Partei härter gekämpft und gerungen als mit dem politischen Gegner, und die Luft wird dünner, je weiter es um die Spitzenpositionen geht – das wissen nicht nur Menschen, die sich für Liberalität einsetzen. Es reicht ein Moment der Schwäche, der Unsicherheit, und aus einem gefeierten Anführer wird ein gedemütigter Hinterbänkler. Aber es geht auch umgekehrt: In Zeiten der Not kann auch ein alternder Nörgler zum neuen Star werden. Jeder, der Berufspolitik macht, weiß das; es scheint einfach ein Naturgesetz zu sein. Aber sind wirklich nur Politiker so gestrickt? Führen Ehrgeiz und der Wille zur Macht nicht auch in anderen Lebensbereichen zu harten Auseinandersetzungen, ob nun in der Firma, im Verein, in der Familie?
Als zwei Jünger Jesus fragen, ob sie und nur sie im Himmel ganz nahe bei Jesus die Spitzenplätze einnehmen dürften, steht Ärger ins Haus. Konkurrenzkampf droht, selbst in diesem Kreis. Jesus findet eine ganz einfache Antwort: „Ihr sollt nicht um Macht und Ansehen kämpfen. Das machen genügend andere. Wenn ihr groß sein wollt, dann seid für eure Mitmenschen da.“
Manchmal ist es gar nicht einfach, dies zu beherzigen: Wie schnell ist man mitten drin im Gerangel um eine Platz an der Sonne! Auf Jesus zu hören, das kann uns eine Gelassenheit geben, die uns schützt vor der Angst, wir könnten zu kurz kommen. Wer sich selbst verschenken will, hat den schönsten Platz im Leben gefunden – kein Feind in Sicht.