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Andacht zum 20. September: Im Gespräch bleiben

Was ist das eigentlich – Beten?

„Der Mensch ist unheilbar religiös“ – die Erfahrungen, die wir machen, Sehnsucht, Schmerz, Freude, Hilfsbedürftigkeit, unser ganzes Leben sucht nach Deutung und Antwort. Wir sind in dieser Welt nicht ganz zu Hause, wir müssen über uns hinaushoffen, uns im Unendlichen verankern. 

„Menschen, die beten, sind wie Männer in einem Schiff. Sie haben dieses mit einem Seil am Ufer festgemacht. Jetzt ziehen sie mit allen Kräften an dem Seil. Das Ufer bewegt sich nicht, wohl aber das Schiff. Es nähert sich der rettenden Sicherheit des Ufers“ (Dionys der Syrer 818-845). 

Beten ist: Sich Festmachen in Gott, in Jubel und Klage. Mit dem Gebet beginnt eine neue Einstellung zur Wirklichkeit, eine Rebellion gegen eingefahrene Denk- und Verhaltensmuster. 

Das Dankgebet wehrt sich gegen eine Mentalität, in der nur empfängt, wer vorher etwas leistet oder dafür bezahlt.

Und die Klage vor Gott ist eine Weigerung, sich mit dem Ungerechten abzufinden – ein Aufstand gegen Not und Unheil in unserem Leben, ein Streit mit einem Gott, der unsere Warum-Fragen nicht beantwortet. Beten lehnt sich auf gegen das Unbegreifliche. 

Was vor Gott ausgesprochen ist, kann nicht mehr im Untergrund weiter wuchern. Bitten entkrampft und verhindert, dass sich unsere Not ins Unermessliche auswächst. Auch wenn äußerlich nichts passiert: Im Gespräch mit Gott wächst das Vertrauen, dass er nahe ist. Auch Danken dreht uns um: es wendet uns hin zu dem, was gut ist. Es verändert unsere Perspektive, hilft, nicht nur schwarzzusehen, sondern das „Hell-Sehen“ zu lernen, das es in jedem Leben gibt. 

Beten ist mühsam. Das klingt wie eine Binsenweisheit, kann aber ein Trost sein für die Phasen, in denen uns das Gespräch mit Gott nicht gelingt. Dass Gott verborgen ist, als Gesprächspartner sich nicht zeigt, ist die Grundnot allen Betens, die niemals aufgehoben wird. Beten als Bitte und Lob ist lebenslanges Kommunikationstraining mit Gott und verlangt von uns immer wieder ein Überprüfen unserer Gottesvorstellungen. 

Beten heißt lernen und neue Zugänge zu Gott suchen. Beten verlangt Kampf bis zum letzten Atemzug – sagten die Wüstenväter.

Bleiben Sie immer im Gespräch, 

mit Gott, der Welt, 

dem Nächsten und sich.

Pfarrer Donald Molin

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