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Andacht zum 2. 10.2026: „Wie sagt man da?(!)“ – „Danke“

Kennen Sie diese Situation: Ein Kind ist mit Mutter oder Vater in der Fleischerei einkaufen und bekommt über den Ladentisch ein Stückchen Wurst gereicht? Und die Begleitperson des Kindes fordert es auf: „Wie sagt man da?(!)“ – „Danke“ kommt dann mehr oder weniger enthusiastisch als Antwort vom Kind.


In diesen Wochen feiern Christen in Deutschland Erntedankfest. Wir sagen Danke für die Dinge, die wir zum Leben haben: Nahrungsmittel, Strom aus der Steckdose, eine warme Heizung und Kleidung, die uns wärmt und gut aussehen lässt. Sind wir modernen Menschen noch dankbar? Oder ist Dank eher eine Pflichtübung geworden wie bei dem Kind in der Fleischerei? Immer häufiger höre ich: Warum soll ich dankbar sein für die Lebensmittel, die ich einkaufe? Schließlich habe ich sie an der Supermarktkasse bezahlt und für das Geld hart gearbeitet. Wofür soll ein Obdachloser in unserem reichen Deutschland dankbar sein? Dafür, dass jemand absichtlich Dosen und Flaschen achtlos in den Müll wirft, damit er sie sich dort heraussammeln kann? Eine ältere Dame sagte neulich zu mir: Ich bin dankbar für jeden Tag, an dem ich gesund aufwachen darf und an dem ich genug zum Leben habe, und ich bin dankbar für Ihren Besuch, dass Sie mir zuhören, dass ich Ihnen meine Sorgen erzählen kann. Dieser Moment hat mich demütig gemacht. Eine Dame in ihrem neunten Lebensjahrzehnt, die ihr ganzes Leben an dem Wohlstand, den die jüngeren Generationen jetzt genießen dürfen, mitgearbeitet hat und jetzt nur eine kleine Rente bekommt, ist zutiefst dankbar und zufrieden. Diese Zufriedenheit schöpft sie auch aus ihrem Glauben. „Alle Sorgen werft auf ihn, denn er sorgt für euch.“ So steht es im 1. Petrusbrief im 5. Kapitel. Und Sorgen hatte die Frau genug: Eine behütete Kindheit auf dem Dorf. Dass die Nationalsozialisten mit Gewalt regierten, kam bei ihr nicht an. Dafür war sie zu jung. Wohl aber die Sorgen, die Not und die Trauer, die der 2. Weltkrieg mit sich brachte. Nach dem Krieg die schweren Jahre des Wiederaufbaus. Sie musste zwar nicht hungern, da die Eltern eine kleine Landwirtschaft hatten, aber die Zeit war trotzdem hart. Kleidung waren die abgelegten Sachen der älteren Schwester, all die Annehmlichkeiten, die wir heute als selbstverständlich erachten, waren damals nicht zu haben oder reiner Luxus. Von Fernreisen will ich hier gar nicht reden. Und doch ging es immer weiter. Sie gründete eine Familie, erzog mit ihrem Mann drei Kinder zu tüchtigen Erwachsenen. Die Dame sieht sich als gesegnet an, dass es zu Zeiten der DDR nicht gern gesehen war, dass sie der Kirche treu blieb, hat sie nicht davon abgebracht, es doch zu tun. Sie wusste immer, dass der Segen Gottes stärker ist als die Regierung der Sozialistischen DDR. Sorgen hat sie im Gebet mit Gott geteilt und sie sagt, Gott hat sie gehört, auch wenn die Lösung eines Problems anders aussah als sie sich manchmal erhoffte. Dieses Gespräch hat mich zutiefst mit Demut erfüllt. Mir wurde bewusst, dass Dankbarkeit kein flüchtiges Gefühl ist, sondern eine Lebenseinstellung.


Über Generationen haben Eltern gesagt: „Unsere Kinder sollen es doch einmal besser haben als wir.“ Haben wir den nachfolgenden Generationen eine bessere Zukunft geschaffen? Sie müssen nicht mehr Kohlen aus dem Keller schleppen, damit der Kachelofen geheizt werden kann, sie haben alle ein Handy, mit dem sie den Pizzaservice anrufen können, wenn sie am Abend keine Lust auf eine einfache Stulle mit einfachem Belag haben, das ist wahr. Aber wie sieht es sonst aus? Unser Wohlstand hat seinen Preis. Jugendliche haben Sorgen um ihre Zukunft. „Alle Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.“ So steht es im Petrusbrief. Das gilt auch heute noch. Und es gilt für alte Menschen wie auch für die Jungen.

Almut Ehrhardt

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