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Evangelischer Kirchenkreis Südthüringen

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Andachten und Predigten

Anker

Andacht Sorgenwald oder Hoffnungsgrün?

Es war einmal ein Mensch, der besaß eine Sorge, die er wichtig fand. Also goss er sie jeden Tag, sodass sie groß wurde und bald weitere Sorgen von ihr herabfielen. Jede Sorge pflegte er auf diese Weise. Bald ragten immer neue Sorgen empor, die alles um ihn her zuwucherten. Erst, als es sehr eng wurde, begriff der Mensch, dass es so nicht weitergehen konnte. Doch der inzwischen gewachsene Sorgenwald war bereits zu dicht, als dass er ihn ohne Hilfe hätte verlassen können. Eines Abends faltete er verzweifelt seine Hände und bat Gott um Hilfe. Dann fiel er in einen langen Schlaf.

Als er erwachte, sah er, dass die Sorgen verdorrt waren. Zu lange hatte er sich nicht um sie gekümmert. Befreit ließ er sie hinter sich. Und als er sich so umschaute, stellte er fest, dass sich die Welt durch seine Sorgen gar nicht verändert hatte. Komisch, dabei hatte er sie doch so wichtig gefunden.

Beschwingt griff er in seine Tasche, warf etwas auf die Erde und goss es. Nun wollte er sehen, wie gut Hoffnung wachsen würde.

Im Monatsspruch für den gerade zu Ende gehenden Monat Mai heißt es: „Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unserer Seele.“ (Hebräerbrief 6,19)

Um Hoffnung als Anker, zum Festhalten, zur Sicherheit, zum Überleben, wenn die Stürme des Lebens über einen hereinbrechen, geht es hier. Das Symbol des Ankers als Zeichen für Hoffnung ist gut bekannt im Zusammenhang mit zwei weiteren Symbolen, nämlich dem Kreuz für den Glauben und dem Herz für die Liebe. In der Bedheimer Kirche hängen Kreuz, Anker und Herz über dem Altarraum, wenn dort Hochzeiten oder Konfirmationen stattfinden, sie weisen darauf hin, dass Glaube, Liebe und Hoffnung  wichtige Bausteine bei der Lebensgestaltung sein können, dass diese Werte unser Leben bereichern.

Die Hoffnung kann ein Anker sein und Halt geben, wenn Trauer niederdrückt, wenn Mutlosigkeit herrscht, wenn Sorgen und Angst sich breitmachen.

Aber ist denn der Anker Hoffnung begründet? „Wie kannst du überhaupt noch Hoffnung haben angesichts des Zustandes dieser Welt?“, werde ich öfters gefragt, frage ich mich manchmal auch selbst. Was für einen Grund hat meine Hoffnung?

Für mich begründet sich die Hoffnung auch durch die anderen beiden im Bund: Liebe und Glauben. Hoffnung ist für mich im Glauben an Gott begründet, der uns diese Erde geschenkt hat, der nach einer großen Flut den Regenbogen in den Himmel setzte als Zeichen der Versöhnung und der Hoffnung. Ich bin z.B. vor kurzem durch eine Landschaft in Albanien gefahren, in der es im letzten Sommer gebrannt hat. Man sieht, wie die Bäume teilweise noch schwarz und verkohlt in der Landschaft stehen. Es ist leider viel vernichtet worden durch das Feuer, aber es ist dennoch inzwischen alles wieder grün; neue Pflanzen, Kräuter, Bäumchen, Sträucher wachsen schon wieder und geben wirklich kein hoffnungsloses Bild ab.  Doch daraus erwächst auch die Aufgabe für uns, diese Hoffnung zu pflegen, und alles in unserer menschlichen Macht Stehende zu tun, um die guten Gaben Gottes, unsere Erde zu bewahren und zu schützen.

Auch die Liebe ist für mich Grund genug, die Hoffnung nicht aufzugeben. Jesus Christus hat uns gezeigt, was Liebe ist. Menschen überall auf der Welt setzen sich aktiv und selbstlos für die Liebe ein, z.B. als „Ärzte ohne Grenzen“ in Krisen- und Kriegsgebieten, als Jugendliche in Projekten dieser Welt als Freiwilliges Soziales Jahr oder Freiwilliges Ökologisches Jahr, oder in gelebter Nächstenliebe bei uns in Hospizdiensten, in der Freiwilligen Feuerwehr, im Einsatz für Demokratie, in der Flüchtlingshilfe oder in Kirchgemeinden.

Zu einem Kirchentag haben Jugendliche mal „Hoffnungs-Lose für Hoffnungslose“ verschenkt.  Wer so ein Los gezogen hatte, der fand darin ein kleines Samenkorn. Also, lasst uns jeder und jede an seinem Ort, an seinem Platz Hoffnung säen und pflegen. In einem Lied heißt es dazu:

„Kleines Senfkorn Hoffnung, mir umsonst geschenkt, werde ich dich pflanzen, dass du weiter wächst, dass du wirst zum Baume, der uns Schatten wirft, Früchte trägt für alle, alle, die in Ängsten sind."