Serie: Die Bilder der Christuskirche in Hildburghausen
Amandus Gotthold Fehmel Es ist eine weitere Eigentümlichkeit der Geschichte, dass sie gerade diejenigen zu vergessen scheint, die ihr ein Rückgrat leihen wollten. Und meist blieben die Lärmmacher im Gespräch, nicht die, welche den Lärm ertragen mussten. Und die Schreier werden zitiert, aber Gelehrte nicht verstanden. So zumindest scheint es auch Amandus Gotthold Fehmel ergangen zu sein. Wer war dieser Mann, dessen lebensgroßes Bildnis in der Hildburghäuser Kirche hinter dem Altar zu betrachten ist?
Fehmel wurde nur dreiunddreißig Jahre alt. Andere hätten in diesem Alter gerade begonnen, sich wichtig zu nehmen. Fehmel dagegen hatte mit dieser knappen Lebenszeit bereits eine Laufbahn hinter sich gebracht, die heutzutage mehrere Lebensläufe füllen würde. Oberhofprediger war er. Kirchenrat. Generalsuperintendent. Leiter eines Gymnasiums. Professor der Theologie. Man könnte meinen, ein solcher Mann müsse wenigstens in der Erinnerung seines Landes fortleben? Das Gegenteil ist der Fall. Aber – seine Kirche in Hildburghausen kennt das Bildnis des freundlichen Mannes, wohingegen die Historie eine eigentümliche Vorliebe für das nur Mittelmäßige besitzt – das ist tröstlich. Die Geschichte konserviert den Lärm und vergisst die Stillen im Lande.
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