Nach zwölf Jahren Gefängnisseelsorge: Christiane Bosse verabschiedet sich aus der Justizvollzugsanstalt Goldlauter
Nach zwölf Jahren engagierter Tätigkeit in der Justizvollzugsanstalt Goldlauter wird Pfarrerin Christiane Bosse aus ihrem Dienst als Gefängnisseelsorgerin verabschiedet. Von 2019 bis 2023 war sie zusätzlich in der Justizvollzugsanstalt Untermaßfeld tätig und begleitete dort ebenfalls Menschen in Haft. Mit ihrem Wechsel in den Gemeindepfarrdienst endet ein besonderer Abschnitt ihres beruflichen Wirkens – geprägt von Menschlichkeit, Vertrauen und der Überzeugung, dass jeder Mensch eine neue Perspektive verdient.
Als Christiane Bosse vor zwölf Jahren die Aufgabe der Gefängnisseelsorge übernahm, betrat sie Neuland. „Ausprobieren konnte man diesen Dienst nicht – also habe ich einfach losgelegt, beschreibt sie ihren Einstieg rückblickend mit einem Lächeln. Schnell wurde deutlich, dass diese besondere Form kirchlicher Arbeit genau zu ihr passte. Die Verbindung aus Seelsorge und sozialer Begleitung entsprach ihrem Verständnis von Kirche: Menschen dort zu begegnen, wo sie Unterstützung, Orientierung und ein offenes Ohr brauchen.
Im Mittelpunkt ihres Dienstes standen die vielen Einzelgespräche mit den Inhaftierten. Sie hörte zu, begleitete, ermutigte und half dabei, Gedanken zu ordnen. Gerade in einer Umgebung, in der Freiheit fehlt und der Alltag stark reglementiert ist, gewinnen Gespräche eine besondere Bedeutung. Christiane Bosse verstand sich dabei als Brücke zwischen der Welt innerhalb der Gefängnismauern und dem Leben außerhalb. Sie begleitete Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten – oft Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen und deren Biografien von Brüchen, Krisen und Schuld geprägt sind.
Dabei war ihr wichtig, die Gefangenen nicht nur auf ihre Tat zu reduzieren, sondern den ganzen Menschen zu sehen. Gefängnisseelsorge bedeute für sie, „Licht ins Dunkel zu bringen“. Licht stehe dabei für Freiheit, Hoffnung und die Erfahrung, dass das Leben trotz aller Schuld und Begrenzungen neue Möglichkeiten bereithält. Wo Menschen keine Perspektive mehr sehen, versuchte sie gemeinsam mit ihnen neue Wege zu entdecken. Nicht selten gehörten dazu auch Momente des gemeinsamen Lachens – kleine Augenblicke der Leichtigkeit, die den oft belastenden Gefängnisalltag menschlicher und erträglicher machten.
Neben der Einzelseelsorge gestaltete Christiane Bosse regelmäßig Gottesdienste mit anschließendem Kirchenkaffee und Bibelkreise innerhalb der Justizvollzugsanstalt. Rund 35 Inhaftierte nahmen diese Angebote regelmäßig wahr. Dabei entstand ein Raum, der sich deutlich vom übrigen Gefängnisalltag unterschied: geprägt von gegenseitigem Respekt, ehrlichen Gesprächen und einem wertschätzenden Miteinander. Für viele Teilnehmer wurden diese Begegnungen zu einem festen Anker im Wochenablauf.
Christiane Bosse bringt für diese Aufgabe eine langjährige seelsorgliche Erfahrung mit. Nach dem Vikariat in Siebenbürgen führte sie ihr Weg in die erste Pfarrstelle in Heiligenstadt, wo sie im Jahr 2003 ordiniert wurde. Es folgten Stationen unter anderem in Bischleben bei Erfurt sowie eine fundierte Ausbildung zur Seelsorgerin. All diese Erfahrungen flossen in ihren Dienst innerhalb der Justizvollzugsanstalten ein und prägten ihre einfühlsame, zugewandte Arbeitsweise.
Mit ihrem Abschied aus der Gefängnisseelsorge beginnt für Christiane Bosse nun ein neuer Lebens- und Dienstabschnitt. Gemeinsam mit ihrem Ehemann wird sie künftig als Gemeindepfarrerin in Sangerhausen und Umgebung tätig sein.
Der Evangelische Kirchenkreis Südthüringen dankt Christiane Bosse herzlich für ihren langjährigen und segensreichen Dienst. Mit großem persönlichen Einsatz, viel Einfühlungsvermögen und einem tiefen Vertrauen in die Kraft von Gottes Zuspruch hat sie über viele Jahre Menschen hinter Gittern begleitet. Sie hat zugehört, ermutigt, Versöhnung ermöglicht und vielen Inhaftierten das Gefühl gegeben, trotz ihrer Vergangenheit als Mensch gesehen und angenommen zu sein.
Für ihren weiteren Weg im Gemeindepfarrdienst wünscht ihr der Kirchenkreis Gottes reichen Segen, Freude an den neuen Aufgaben und viele bereichernde Begegnungen.