Kirche darf zum Unrecht nicht schweigen
Beim Pfarrkonvent des Kirchenkreises Südthüringen am Mittwoch in Neuhaus-Schierschnitz sprach der Theologe und ehemalige Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, über das Verhältnis von Religion und Politik. Sein zentrales Anliegen: Kirche darf sich nicht aus den gesellschaftlichen Debatten zurückziehen.
In einer Zeit großer Verunsicherung suche die Gesellschaft nach Orientierung, so Bedford-Strohm. Auch wenn die Kirchen heute weniger Deutungshoheit hätten als früher, blieben sie wichtige Stimmen im öffentlichen Gespräch. Sie verfügten über ein „jahrtausendealtes Orientierungswissen“, das helfen könne, Antworten auf die großen Fragen des Zusammenlebens zu finden.
Warum Kirche auch politisch sprechen müsse, machte Bedford-Strohm mit einem Gedanken von Dietrich Bonhoeffer deutlich:
„Auch das Schweigen gegenüber dem Unrecht ist eine politische Position.“
Christlicher Glaube sei untrennbar mit dem Einsatz für den Nächsten verbunden. Wo Not und Ungerechtigkeit auch politische Ursachen hätten, könne die Kirche nicht neutral bleiben. Zugleich dürfe sie keinem politischen Programm einen „Heiligenschein“ verleihen.
Die Aufgabe der Kirche bestehe vielmehr darin, aus ihrem Glauben heraus Orientierung zu geben und „mit Leidenschaft und Sachkompetenz für eine bessere Welt einzutreten“.