Besinnungsworte von Almut Ehrhardt
Kantate – Singet! Diesen Namen trägt der morgige Sonntag. Singet! Welch schöne Aufforderung mitten im Frühling, wo die Vögel schon morgens vor lauter Lebenslust zwitschern! Nicht: schaltet das Radio ein, sondern: Singt selbst. Ihnen ist gerade nicht nach Singen zumute? Probieren Sie es trotzdem.
Wenn Sie traurig sind, kann es ja auch ein getragenes Lied sein. Schon unsere Vorfahren tanzten singend um ihre Feuer, um eine erfolgreiche Jagd zu feiern oder einen Verstorbenen ins Reich der Toten zu begleiten. Singen tut uns gut und ist obendrein gesund. Wenn man singt, wird das Kuschelhormon Oxytocin ausgeschüttet, die Körperhaltung verbessert sich beim Singen und die Abwehrkräfte werden gestärkt. Paus Gerhardt hat viele wunderbare Gesangbuchlieder geschrieben und Martin Luther ebenso. Es gibt unzählige wunderschöne deutsche Volkslieder. Wie viele davon kennen Sie? Wenn ich ältere Menschen besuche, kommt es hin und wieder vor, dass ich gebeten werde, mit ihnen ein Lied zu singen, das sie im Konfirmandenunterricht lernten. Meistens können sie noch viele Strophen auswendig.
Von der Bedeutung der Musik erzählt auch der Bibeltext für den morgigen Sonntag, 2. Chronik 5. Dort wird die Einweihung des Salomonischen Tempels beschrieben. Geplant wurde der Bau des Tempels noch von König David, aber gebaut hat ihn im 10. Jahrhundert vor Christus Salomo. Der König, der als besonders weise, klug und weltmännisch galt.
Gott, der, seitdem er seinen Bund mit dem Volk Israel geschlossen hatte, in einem Zelt und einer sogenannten Stiftshütte sein Heiligtum hatte, bekam nun einen Tempel. Damit zeigte das Volk Israel den anderen Völkern: Seht her, so mächtig ist unser Gott! Er wohnt in diesem prächtigen Tempel. Die Lade, der Kasten, in dem die steinernen Gebotstafeln aufbewahrt wurden, sollte zur Einweihung in den fertigen Tempel geholt werden. König Salomo, so heißt es, versammelte alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des HERRN hinaufbrächten aus der Stadt Davids. Und es versammelten sich alle Männer Israels zum Fest. Ich hoffe, dass nicht nur die Männer feierten, sondern auch die Frauen dabei waren.
Der Bericht in der Chronik erzählt von einer Art Chor, der zu diesem Fest sang. Es waren Leviten, die anlässlich der Tempeleinweihung in weiße Gewänder gekleidet waren und östlich vom Altar standen. Sie hatten Zimbeln und Saiteninstrumente bei sich, um ihren Gesang zu begleiten. Dazu kamen 120 Priester mit Trompeten. Ich stelle mir diesen Chor und das Orchester ganz gewaltig vor. Wie hat wohl der Klang all der Instrumente und der Sänger auf die Zuhörenden gewirkt? Man bedenke, die Welt damals war ohne Radio, Autos, Maschinen eine viel stillere Welt als heute.
Gottes Herrlichkeit hat sich an diesem Fest ereignet, weil in Harmonie gesungen wurde, weil die Menschen eines Sinnes waren. Ich glaube, dass, wo immer und wann immer Harmonie entsteht, Gott nah ist. Vielleicht entsteht aber auch da, wo Gott ist – Harmonie? Wir können sie jedenfalls nicht nach Belieben herstellen, aber ich glaube wir können Gott einladen bei uns zu sein, singend oder betend. Dort, wo Parolen gegrölt werden, entsteht keine Harmonie. Nicht umsonst sagt eine alte Volksweisheit: Wo man singt da lass dich nieder, böse Menschen kennen keine Lieder.
Ich glaube, dass Gottes Herrlichkeit uns auf viele Weisen erreichen kann, durch Gesang, Gesten, Worte, Vogelgezwitscher, Bilder und vieles mehr. Und ich wünsche uns allen, dass wir dafür aufmerksam sind und bleiben. Ich wünsche uns Menschen, dass wir gerne und oft aus vollem Herzen singen. Und wenn Sie mit dem Singen nicht so geübt sind, dann beginnen Sie damit doch einmal auf einem Spaziergang alleine im Wald oder unter der Dusche. Entdecken Sie Ihre eigene Stimme, Sie werden erstaunt sein, wie schön sie klingt.