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Andacht: Womit man rechnen kann

Erinnern Sie sich noch, als Sie Ihren ersten Taschenrechner in Ihren Händen hielten? Dieses erstaunliche kleine Kästchen, in das sie schwierigste Rechenaufgaben eingeben konnten. Und mit dem Drücken der „Gleich“-Taste erschien wie von Zauberhand das Ergebnis.

Als ich den ersten Taschenrechner in der Hand hielt, mahnte meine Mathelehrerin: „Auch wenn ihr den Rechner nun habt. Denkt selber nach. Ihr müsst im Zweifel das Ergebnis selbst berechnen können. Lasst euch nicht manipulieren.“ Diese Worte wirken im Rückblick nostalgisch und weise zugleich.

Denn unsere Handys sind nichts anderes als hoch entwickelte Taschenrechner. Wir buchen Termine, telefonieren, Videochatten, treffen Menschen auf sozialen Plattformen, überweisen Geld und vieles mehr. Wir wissen, dass unser Handy mit Hilfe der sogenannten Künstlichen Intelligenz alle unsere Eingaben am Handy für sich protokolliert. Sie weiß genau wo wir gerade sind. Mit einer hohen Treffsicherheit berechnet sie, wofür wir uns interessieren und was wir als Nächstes tun werden. Diese Technik kann uns aber auch manipulieren, weil sie uns nur noch das zeigt, was uns interessiert und unsere Meinung bestätigt. Wie wichtig ist es da selbst nach zu denken!

Mittlerweile wird Künstliche Intelligenz unter anderem bei der Früherkennung von Krankheiten wie Hautkrebs und Darmkrebs verwendet. Die Rostocker Professorin für Künstliche Intelligenz, Alke Martens, sieht diese Entwicklung nüchtern. Die Künstliche Intelligenz ersetzt keine Menschen, sie ist lediglich ein Hilfsmittel. Sie kann bei der Krebsfrüherkennung hilfreich sein, letztlich braucht sie aber die Kontrolle durch ärztliches Fachpersonal.

Wenn es um Sprache geht, dann reproduziert Künstliche Intelligenz Texte. Sie macht das, indem sie berechnet, mit welcher Wahrscheinlichkeit das eine auf das andere Wort folgt. Sie denkt sich nichts Neues aus, sondern käut zu einem vorgegebenen Thema nur das wieder, was vorher schon gedacht wurde.

 „Aus der aktuellen Psychologie und den Neurowissenschaften wissen wir aber, dass das menschliche Gehirn so nicht funktioniert,“ gibt Martens zu Bedenken. Der Mensch kann sich Neues erdenken, er kennt Höhen und Tiefen des Lebens, Macht und Ohnmacht. Der Computer nicht.

Letztens bin ich auf eine computergenerierte christliche Andacht gestoßen: Es ist sachlich richtig, was da steht. Aber die Worte berühren mich nicht. Was weiß denn  schon der Computer? Hat er schon einmal erlebt, was es bedeutet, krank zu sein, traurig, fröhlich oder ausgelassen zu sein? Kennt er Sorge oder Not? Hat er Mitgefühl? Kann er Liebe empfinden? Nichts davon hat er durchlebt. Er kann gut Wörter sinnvoll zusammen setzen. Mit mehr können wir da nicht rechnen. Es sind halt nur Worte - aber nicht das Leben.

„Im Anfang war das Wort … und das Wort wurde Fleisch und lebte mitten unter uns,“ steht im Johannesevangelium. Es war Gott nicht genug, die Welt, das Leben, zu erschaffen. Er wird Mensch.

Er manipuliert nicht, sondern überzeugt: Ich fühle mit Dir - in diesem Menschen Jesus, der genauso ausgelassen und genauso ängstlich sein kann wie Du. Und ich gehe mit Dir durch das Leben mit seinen Höhen und Tiefen. Ich lasse niemanden allein. Selbst im Tod nicht.

Manche Menschen freuen sich diese Tage über den anbrechenden Frühling. Du vielleicht gerade nicht. Manche freuen sich über die länger werdenden Tage. Du vielleicht gerade nicht.

Aber vielleicht spürst Du, wie hier jedes Wort mit Bedacht und Liebe geschrieben wurde. Vielleicht merkst Du, dass da mehr ist als eine Ansammlung von Buchstaben. Du denkst nach. Und Du ahnst es: Du bist nicht allein. Da ist jemand bei Dir, der weiß wie es Dir geht. Der es Dir auch nicht ausreden will, wie es Dir geht. Der dich nicht manipuliert. Sondern sagt: „In der Welt hast du Angst. Aber verliere nicht den Mut, ich habe sie überwunden.“ Es ist der Auferstandene: Jesus Christus. Er weiß wovon Du sprichst. Er ist bei Dir. Mit ihm kannst Du rechnen.

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