Andacht
zum 1. Februar "Kostbarkeiten erkennen" von Pfarrer Donald Molin, Friedelshausen
Einmal, so erzählt eine Sage, wanderte ein Mann am Meer entlang und fand ein Säckchen mit Steinen. Er öffnete es, betrachtete die Steine und ließ sie dann sacht durch die Finger gleiten. Ein einziger Stein blieb ihm am Ende, ihn nahm er mit nach Hause. Dieser Stein erwies sich, aufmerksam betrachtet, als Edelstein. Da half kein Jammern, einen Schatz hatte er verworfen – einen Schatz, unvergleichlich wie das Leben, das uns täglich Edelsteine in die Hände legt, wenn wir sie denn erkennen.
Im diesem Jahr wird uns das Leben – neben manch harten Brocken – auch wieder Edelsteine in die Hände legen. Wir müssen sie nur entdecken. Helfen könnte ein Experte. Ich möchte mir Jesus zum „Juwelier“ wählen. Von ihm erhoffe ich gute Beratung, damit ich die Edelsteine meines Lebens nicht achtlos wegwerfe.
Er sagt: „Achtet auf das, was ihr hört!“ – Deshalb möchte ich die vielen Worte, die um mich herum gesprochen werden, genau unter die Lupe nehmen. Dann kann ich die Edelsteine unter ihnen herausfinden – Worte, die mir ein Licht aufgehen lassen; Sätze, die mich trösten und ermutigen; wertvolle Gedanken, die mir eine neue Perspektive eröffnen; Einladungen, die mir gut tun und Freude schenken; aber auch Anfragen, die mich provozieren und weiterbringen.
Jesus rät: „Seid wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.“ – Deshalb möchte ich die Stunden, die mir in diesem Jahr geschenkt werden, wach und sorgfältig betrachten. Dann kann ich „Stern-Stunden“ erkennen – kostbare Stunden der Stille, in denen ich zu mir komme, Stunden der Gottesdienste, die mich bereichern, Stunden im Alltag, in denen ich mich am Leben erfreuen und dafür dankbar sein kann.
Jesus legt mir ans Herz: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“ – Deshalb möchte ich die Menschen, die mir nahekommen, wohlwollend anschauen. Dann kann ich die „Edelsteine“ unter ihnen entdecken – Menschen, die mich mit ihrer Freundlichkeit anstecken, ein offenes Ohr haben, geradlinig ihren Weg gehen und mir zum Vorbild werden; Menschen, ohne die mein Leben ärmer wäre.
Ich wünsche Ihnen einen geschulten Blick, damit die Edelsteine der kommenden Tage und Wochen – kostbare Worte, wertvolle Stunden und bereichernde Menschen – nicht achtlos durch die Finger gleiten.
Mit Segensgrüßen
Pfarrer Donald Molin